Exhibition Portraits

Fragments of Urban Identities,
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Berlin ist Anziehungspunkt für junge Menschen aus aller Welt, geprägt von unterschiedlichen Sprachen, kulturellen Hintergründen, Sehnsüchten und persönlichen Neuanfängen. Viele kommen auf der Suche nach künstlerischer Freiheit, Zugehörigkeit, Anonymität, oder der Möglichkeit, jemand anderes zu werden in diese Stadt. “Mirrors of Berlin – Fragments of Urban Identities” ist ein fortlaufendes fotografisches und audiovisuelles Porträtprojekt des in Berlin lebenden Filmemachers und Fotografen Owe Sigmund Tautenhahn. Sein Blick ist generationsübergreifend und es sind ausschließlich Frauen die mit ihren Biographien in dieser Ausstellung gleichzeitig zu einer gegenwärtigen Stadtgeschichte bzw. Stadtportrait zusammengeführt werden. Das Werk umfasst derzeit mehr als 70 großformatige Porträts in Lebensgröße und ist als sich weiterentwickelndes Werk konzipiert, das letztlich 100 Porträts, von in Berlin lebenden Frauen, umfassen wird. Das Projekt ist kombiniert mit fragmentierten Videobildprojektionen und räumlichen Klang-Geräuschkompositionen, die nachts und tags in Berlin aufgenommen wurden. Beides zusammen bildet eine fragmentierte emotionale Landkarte vom inneren der Stadt von welcher jeder spricht und viele sein wollen. Die gezeigten Frauen sind keine Repräsentantinnen, sondern erzählen vielmehr von einem auch nur flüchtigen Moment der hier zum Dokument von Gegenwart wird. In dieser Arbeit holt sich Tautenhahn die Erzählenden in sein Studio und verzichtet bzw. löst sie bewusst aus dem kontextuellen Hintergrund. Dem Betrachter bleiben nur Hinweise wie Gesten, Gesichtsausdruck, Körperhaltung. Damit wird vom ihm zunächst ein intensives Betrachten gefordert, um etwas über die Portraitierten und ihre Stadt zu erfahren. Im Kontrast zur Stille der Portraits fügen die Video-Installation eine zweite Ebene hinzu: verschwommene Passanten, fragmentierte urbane Bewegung, verschwindende Silhouetten, flüchtige Gesprächsfetzen und verfremdete Großstadtgeräusche der Nacht, durchqueren am Ort der Projektion den Bild- u. Hör-Raum. Die Stadt erscheint nicht mehr als fester Ort, sondern als Zustand und Wahrnehmung. Das gewählte Großformat der Fotografien ist nicht nur von spezieller Bedeutung für den Bildausschnitt, die Haltung und dem Verhalten der Dargestellten, vielmehr auch für unsere Suche das Bild zu lesen und möglichst viel zu erfahren. Dadurch werden wir nicht nur mit gesellschaftlicher Wahrnehmung konfrontiert, sondern auch mit ganz persönlichem und zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein. Jenseits von dem zufälligen Schnappschuss gelingt es Owe-S. Tautenhahn mit seinem fotografischen Blick eine für uns Betrachter spürbare Beziehung zu den Portraitierten aufzubauen und verleiht ihnen durch die überlebensgroßen Aufnahmen eine gewisse Würde und Respekt. Mit seinen Portraits und Installationen, sucht er in den Frauen sowie der Stadt Einflüsse von Umgebung und Herkunft, und erkundet gleichzeitig Spuren von Menschen in der Stadtlandschaft Berlin, und begibt sich vielleicht auch auf seine eigene Suche. Deshalb ist „Mirrors of Berlin“ nicht als soziologisches Porträt der Stadt gedacht, sondern eine emotionale und visuelle Erkundung Berlins und dem, das wir in den Frauen lesen. (Kurator)