Exhibition Portraits

Project 150 Portraits,
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Auch in dieser Ausstellung gilt es Geschichte bzw. Gegenwart und Geschichten zu erkunden und zu vergleichen. Es ist das Prinzip der Portraits in Serie. Mit der von den Portraitierten selbst gewählter Haltung wird der Betrachter in Gespräche über sie und die Stadt in der sie leben, oder diese auch nur besuchen verwickelt. Bei den Fotografien von Uwe-S. Tautenhahn ist der Blick generationsübergreifend und es sind ausschließlich Frauen die mit ihren Biographien in dieser Ausstellung gleichzeitig zu einer gegenwärtigen Stadtgeschichte bzw. Stadtportrait zusammengeführt werden. Schon einmal hat er, allerdings als Filmemacher in seiner Dokumentation „Lebanon, Resisting Lunacy, Standhalten im Wahnsinn„ Frauen an den Ort geschickt, um über deren persönliche Geschichte und Beziehung, aber vor allem über eine Rückkehr in ihr Land, bzw. nach Beirut zu portraitieren. Jetzt ist es Berlin, die Stadt von der jeder spricht und viele sein wollen. Diese Frauen sind keine Repräsentantinnen, sondern erzählen vielmehr von einem vielleicht auch nur flüchtigen Moment der hier zum Dokument von Gegenwart wird. Traditionell liefern Portraits Hinweise, um dem Betrachter mehr über die Persönlichkeit zu erzählen, ihm einen Rahmen zu geben, in dem es leichter zu erkunden ist. In der Malerei wurde der Repräsentationstypus des Brustbildes verwendet, um das Innere einer Person abzubilden. In dieser Arbeit holt sich Tautenhahn die Erzählenden in sein Studio und verzichtet bzw. löst sie bewusst aus dem kontextuellen Hintergrund. Dem Betrachter bleiben nur Hinweise wie Gesten, Gesichtsausdruck, Körperhaltung. Damit wird vom ihm zunächst ein intensives Betrachten gefordert, um etwas über die Portraitierten und ihre Stadt zu erfahren. Ganz wollte der Fotograf dann doch nicht auf Hinweise verzichten, weil er bei der Arbeit für die Serie vom Gebrauch ihrer Berliner Lebensgeschichten gemacht hat. Wir als Betrachter können, wenn wir wollen, die kurz skizzierten biographischen Statements der Portraitierten nachlesen. Durch die gewählte Größe der Bilder entsteht im Raum eine starke Sicht bzw. eine Konzentration auf die Physiognomie, welche uns wieder an die Portraitmalerei erinnert. Das gewählte Großformat ist von großer Bedeutung nicht nur für den Bildausschnitt, die Haltung und das Verhalten der Dargestellten, sondern auch für unsere Suche das Bild zu lesen und möglichst viel zu erfahren. Dadurch werden wir nicht nur mit gesellschaftlicher Wahrnehmung konfrontiert, sondern auch mit ganz persönlichem und zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein. Jenseits von einem zufälligen Schnappschuss gelingt es Uwe-S. Tautenhahn mit seinem fotografischen Blick eine für uns Betrachter spürbare Beziehung zu den Portraitierten aufzubauen und verleiht ihnen durch die überlebensgroßen Aufnahmen eine gewisse Würde und Respekt. Mit seiner Portraitserie sucht er in den Frauen die Einflüsse ihrer Umgebung, Herkunft und erkundet somit auch Spuren der Menschen in dieser Stadtlandschaft und begibt sich vielleicht auch auf seine eigene Suche. ( Harald Theiss, Kunsthistoriker/ Kurator )